Wie schwer darf der Reiter sein?

Da wir uns beim Physio-Riding  grundsätzlich an wissenschaftlich fundierte  Fakten halten,   können wir keine festen Zahlen / Prozentzahlen nennen, wie es gerne bei dieser Frage getan wird, sondern wir beurteilen gemeinsam mit dem Reiter das individuelle Paar und richten uns dabei nach folgenden 5 Fragen:

  1. Wie alt ist das Pferd

Das Knochengerüst des Pferdes – und vor allem die Lenden-Becken-Region – ist erst „fertig gewachsen und belastbar“, wenn das Pferd sein 7. Lebensjahr erreicht hat. Allerdings richtet sich das Wachstum von Knochenstrukturen, Sehnen und Muskeln auch danach, wie das Pferd aufwächst.

Ein Pferd, dass bis zu seinem 10 Lebensjahr nur auf einer kleinen Weide spazieren geht und dann zum Reitpferd werden soll, wird eher gesundheitliche Probleme bekommen, als ein Pferd dass ab Jugend sorgfältig ausgebildet wird, weil die Strukturen im Körper des älteren Pferdes nicht auf eine zusätzliche Belastung vorbereitet sind.

Leider gibt es über diese Zusammenhänge bisher keine wissenschaftlich fundierten Studien bei Reitpferden.  

2.  Wie lange sitzt der Reiter auf seinem Pferd?

Es ist ein großer Unterschied, ob ein Pferd auf einem dreistündigen Ausritt oder in einer 30 minütigen Dressurtrainingseinheit geritten wird.

Weiterhin ist es ein großer Unterschied, ob jemand während einer Reiteinheit konstant reitet oder in regelmäßigen Abständen absteigt.

Wer beispielsweise mit seinem Pferd einen 60 minütigen Ausritt macht und dabei 2 mal 10 Minuten lang absteigt und nebenher geht, belastet sein Pferd viel weniger, als jemand der 30 Minuten konstant versammelnde Dressurlektionen übt, denn in den 30 Minuten kann das Pferd nie vollständig den Rücken entspannen und frei bewegen.

Beim Physio-Riding verbinden wir sowieso gerne die Bodenarbeit nahtlos mit der Reiteinheit, wodurch der Pferderücken deutlich weniger belastet wird, das Pferd aber nicht langsamer lernt, als bei „normaler“ Ausbildung.

Wenn ich beispielsweise meinem jungen Pferd die Seitengänge auf Signal per Bodenarbeit (z.B. durch positive Bestärkung) beibringe und dann während der Reiteinheiten absteige, die Lektion am Boden 5 Minuten lang ausübe, anschließend wieder aufsteige und die Übung wiederhole, lernt das Pferd sehr viel leichter und stressfreier, als wenn der Reiter ziehend und drückend den Seitengang während des Reitens entwickeln will.

Ich kann auf diese Art auch junge Pferde reiten, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil ich in einer dreißigminütigen Ausbildungseinheit nie länger als 5 Minuten am Stück drauf sitze.  Die Pferde sind nach der Trainingseinheit weder erschöpft noch  gestresst und haben trotzdem (oder gerade deswegen :-)) sehr viel gelernt.

3. Wie beweglich / sportlich ist der Reiter?

Ein Reiter muss in der Lage sein, seine Becken- und Lendenregion gut zu bewegen, um die Rückentätigkeit des Pferdes so wenig wie möglich zu behindern. Außerdem muss ein Reiter eine sehr gute Haltemuskulatur haben, um auf dem Pferd ein möglichst konstantes Körpergleichgewicht herstellen zu können. Drittens muss der Reiter mental gelassen und ausgeglichen sein, um sein Pferd stressfrei reiten zu können.

Jeder Reiter, der auf dem Pferd Muskeln anspannt, die beweglich sein sollten, behindert die Beweglichkeit seines Pferdes.  Jeder Reiter, der aus Angst oder Unsportlichkeit mit den Beinen klammert oder sich am Zügel festhält, ist ein Risikofaktor für die Gesundheit des Pferdes.

Dieser Faktor ist viel wichtiger als die Frage, wie schwer der Reiter ist.  Ich kenne gertenschlanke Menschen, die die Rücken ihrer Pferde zuschanden geritten haben, weil sie während des Reitens nicht beweglich genug waren.

4.  Der Körperbau des Pferdes

Das Pferd muss unter dem Reiter seine Lendenwirbelsäule aufwölben können, um das Becken und damit die Hinterhand gut bewegen zu können. Nur so ist es möglich,  dass es sich unter dem Reiter gut ausbalancieren kann.

Ist ein Pferd sehr kurz, passiert es leicht, dass Reitergewicht nicht nur auf dem stabilen Brustkorb lastet, sondern auch in der Lendenregion, was unbedingt vermieden werden sollte.

Übergewicht: Oft sieht man vermeintlich breit gebaute „Gewichtsträger“, die auf den ersten Blick so wirken als könnten sie auch schwere Reiter problemlos tragen. Diese Pferde sind aber nicht breit gebaut, sondern fett  gefüttert und somit erst recht nicht geeignet, auch noch zusätzliches Gewicht eines schweren Reiters zu tragen.

5. Das Wissen und Können des Reiters

Ein Reiter, der gut ausgebildet ist, über fundiertes theoretisches Wissen verfügt und sein Pferd entsprechend sorgfältig reitet, erkennt die Zeichen, mit denen ein Pferd signalisiert, dass es überfordert ist und wird darauf reagieren. Wenn beispielsweise das Pferd sich auf die Hand legen will, oder im Rücken nicht mehr locker weich schwingen kann, sind das Zeichen dafür, dass das Pferd die Hinterhand oder / und den Rücken ausruhen muss.

Wenn ein Pferd ungehorsam wird, ist es in aller Regel überfordert und verspürt Schmerzen. Wenn ein Pferd sich anspannt, hektisch wird, immer öfter scheut, ist es überfordert.

Die Lebensumstände des Pferdes: Ein Pferd, das durch eine gesunde Haltung (Offenstall, Aktivstall) und Fütterung gesund lebt, kann mehr tragen und leisten, als ein Pferd, dass in Boxenhaltung lebt und somit sowieso gefährdeter für gesundheitliche Probleme des Bewegungsapparates ist.

Empfohlene Maßnahmen             

Wenn ein Reiter Signale erkennt, die daraufhin deuten, dass sein Pferd überfordert ist, soll er die beachten und darauf reagieren.

Tierphysiotherapeutische Maßnahmen, wie beispielsweise die regelmäßige Massage und gut geplante Übungen zum Muskelaufbau (z.B. isometrische Übungen, Dehnungsübungen, Bodenarbeit)  sind beste Prophylaxe.

Durch fundierte Trainingsplanung, gutes Coaching und regelmäßige Videokontrolle sollte ein Reiter die Gesundheit des Pferdes immer im Auge behalten. Viele Risiken können so minimiert werden.

Wichtigstes Faszit:

Reiter, sei Du Dir Deiner Verantwortung bewusst und verdränge das Problem nicht, dann werden Dein Pferd und Du auch eine glückliche Zeit miteinander haben.

Dieser Beitrag darf gerne geteilt und verbreitet werden. Danke!

Mythos „Talent“?

Muss man talentiert sein, um wirklich gut reiten lernen zu können?

Kennen Sie das? Sie arbeiten diszipliniert mit ihrem Pferd, nehmen Unterricht, reiten auf Lehrgängen, lesen Fachbücher und trotzdem, trotz aller Mühe, wird es irgendwie nicht so richtig schön, nicht so, wie sie es sich eigentlich damals vorgestellt hatten, als der Traum, Reiten zu lernen, noch ein nicht verwirklichter Traum war?

Während andere Reiter anscheinend spielend immer besser werden, scheitern sie immer wieder an den gleichen Aufgaben?

Vielleicht ändern sie auch die Reitweise oder die Ausbildungsmethode und gehen neuen Mutes auf den Weg zur Reitkunst und wieder stoßen sie irgendwann an diese verfluchte unsichtbare Schranke und es geht einfach nicht weiter.

Sie träumen davon mit dem Pferd eine Einheit zu sein, sie träumen davon, ihrem Pferd zu vertrauen, sie träumen davon, mühelos in wunderbarer Haltung auf dem Pferd zu sitzen, wie man es doch so oft sieht….

Aber er klappt nicht.  Sie kommen einfach nicht weiter. Und je mehr sie daran arbeiten, desto mehr verkrampfen sie innerlich und äußerlich und irgendwie ist eigentlich nichts so, wie sie es sich eigentlich damals erträumt haben…..

Was ist anders bei diesen Menschen, denen die Reitkunst „in die Wiege“ gelegt wurde,  was ist anders bei diesen Menschen, die einfach so reiten lernen und kontinuierlich immer besser werden?

Es gibt mehrere Gründe, die wirklich gutes Reiten blockieren, weil sie die enge Verbindung zwischen Mensch und Tier verhindern. Dieses sind meiner Erfahrung nach die vier häufigsten:

Angst – Selbst wenn man nicht mehr glaubt, Angst zu haben, kann sie in unserem Unterbewusstsein aktiv daran arbeiten, dass wir uns psychisch „festklammern“, statt „loslassen“

Denken – Wir denken in erlernten Mustern, die wir von schlechten Lehrern oder unseren Eltern aufgebürdet bekommen haben. Diese Muster können erfolgreiches Lernen blockieren.

Selbstvertrauen – Tief in uns kann der feste Glaube stecken, nicht gut genug zu sein, was Erfolgserlebnisse und damit die Freude am Lernen blockiert.

Freude – Lernen als Zwang (verursacht durch eigenen Druck oder den des Lehrers/ der Lehrerin) ist nie erfolgreich.

Menschen, die frei, freudig und selbstbewusst probieren und üben, gelten als talentiert, weil sie schnell erfolgreich werden. Die Voraussetzungen dafür sind jedoch nicht angeboren, sondern werden in der frühen Kindheit geschaffen … oder verhindert. Auch als erwachsener Mensch ist es möglich, Weichen, die einmal falsch gestellt worden sind, umzustellen, man muss nur die Wege dazu kennen.

Sabine Bruns , Autorin & Referentin, Mentaltrainerin, Tierphysiotherapeutin, Tai Chi Lehrerin, Physio-Riding

Zu meinen Onlinekursen

Die weiche Reiterhand

Wenn wir Reiter beobachten, können wir auf den ersten Blick eine sehr rohe ruckartige Einwirkung der Hand von einer ruhigen Hand mit wenig deutlicher Einwirkung unterscheiden.

Nicht richtig ist es, eine ruhige Hand auch automatisch als weiche Reiterhand zu beurteilen.

M. trapezius, M. deltoideus, M. pectoralis, M. levator scapulae, M. splenius, M. teres minor und M. teres major, M. biceps brachii, M. brachialis, M. flexor digitorum, M. extensor digitorum, M. extensor radials, M. extensor carpi radialis, M. flexor carpi radialis, M. brachioradialis, M. anconeus ………

Dieses sind alles Muskeln, die in unserem Arm aktiv sind, wenn wir einen Zügel halten. Dazu kommen noch alle Muskeln in der Hand und den Fingergelenken, die ich hier nicht mit aufgeführt habe.

Alle diese Muskeln müssen miteinander harmonieren, wenn weiche und harmonische Gelenkbewegungen stattfinden.

Wollen wir uns das ganze vereinfacht ansehen: Auf dem folgenden Bild sehen wir an jedem Gelenk große und kleine Muskeln, die für die Stabilität und Bewegung eines Gelenkes zuständig sind.

Wenn ein Gelenk gebeugt wird, muss ein Muskel anspannen (rot eingezeichnet), ein Muskel muss sich dehnen lassen (grün eingezeichnet) und einige weitere Muskeln drum rum (gelb eingezeichnet) halten eine relative Muskelspannung um trotz der Gelenkbewegung auch eine Stabilität zu erzeugen.

Je nachdem wie viel Gewicht wir in der Hand halten, während unsere Gelenke (Schultern, Ellenbogen, Hand) aktiv sind, muss auch stabilisierende Haltearbeit geleistet werden. Das kann sehr viel Gewicht sein, wenn z.B. in einer Trabverstärkung Schwung harmonisch aufgefangen werden soll.

Das Zusammenspiel dieser vielen Muskeln funktioniert relativ reibungslos, wenn alle Muskeln gesund und kräftig sind und wenn der Mensch sich gut fühlt. Sobald der Mensch Angst oder Stress empfindet, oder einzelne Muskeln nicht kräftig genug sind, spannen Muskeln an, die die Gelenkbewegungen stören und die Bewegungen werden härter und fester.

Ein Pferd, dessen Schwung bei einer Trabverstärkung hart und fest „aufgefangen“ wird, empfindet das als sehr unangenehm und wird es vermeiden, Schwung zu entwickeln. Statt im Mitteltrab zu schweben, wird es nur schneller laufen.

Wer in seinem Alltag in einer „sitzenden Welt“ lebt, in der Muskelarbeit nicht mehr wirklich wichtig ist, hat evt. das Problem, dass seine Muskeln nicht mehr alle kräftig genug sind, um ein Gleichmaß der Arbeit herzustellen, und es entsteht eine harte Reiterhand.

In jedem Gelenk des Armes und der Hand kann auf dem Pferd die harte Reiterhand entstehen, wenn die beteiligten Muskeln nicht effektiv zusammen arbeiten.

Harte Gelenkbewegungen entstehen vor allem, wenn Muskeln nicht entspannen, während ein Gelenk bewegt wird. Diese Anspannung ohne Anlass entsteht meistens beim Reitanfänger, der sich auf dem Pferd instinktiv festhalten will oder dem Büromenschen, dessen obere Rücken- und Schultermuskeln zu schwach geworden sind. So kann die wirklich weiche Reiterhand nicht entstehen.

Übung nach den Tai Chi – Prinzipien ohne Pferd:

Stelle Dich aufrecht hin. Hebe einen Arm als ob Du einen Baum umfassen würdest. Nun entspanne alle Muskeln, die nicht benötigt werden, um den Arm in dieser Haltung zu belassen.

Fühle in Deinen Hals: Die Schultern sollen entspannt hängen. Fühle in Deine Schulter: die Muskeln vorne und hinten am Schulterblatt sollten entspannen. Fühle in Deinen Oberarm: Alle Muskeln rund um Deinen Oberarmknochen sollen entspannt sein. Fühle in Deinen Unterarm: Alle Muskeln rund um Elle und Speiche sollen entspannt sein. Fühle in Deine Hände: Alle Muskeln sollen entspannt sein.

Nun bewege Deinen Arm langsam und allmählich zur Seite, nach oben und nach unten ohne die runde „Baum Umarmen – Haltung“ aufzugeben und ohne Muskeln anzuspannen.

Wiederhole die Übung mit dem anderen Arm.

Wiederhole die Übung auf dem Pferd erst ohne Zügel, dann mit Zügel in der Hand, aber ohne eine Anlehnung herzustellen.

Kontrolliere bewusst die Muskelarbeit deines Armes, während Du die Bewegungen mit den Händen machst, die Du üblicherweise während Deiner Reitstunde machst.

Nach diesen Wahrnehmungsübungen:

Spüre dein „Muskelgefühl“ in den Armen und der Schulter und im Becken während des Reitens mit Anlehnung. Wenn deine unteren Muskeln das Becken bewegen, um das Pferd zu versammeln, darf die Muskelarbeit des Armes davon nicht beeinflusst werden!

BITTE UM KOMMENTAR:

Was ist Deiner Ansicht nach das größte Fitness-Problem des modernen Reiters?

Die Lende als Fixpunkt guten Reitens

Mit dem Hintern sitzt der Reiter auf dem Rücken des Pferdes. Um sich den Pferdebewegungen anzupassen und sie zu steuern, muss der Reiter seine Lendenregion kennen. 

Bild links:

Das Becken ist mittels der Iliosakralgelenke (ISG – gelbe Pfeile) an der Lendenwirbelsäule befestigt. Da die ISG nicht beweglich, sondern bandhafte feste Verbindungen sind, kann das Becken nur mitbewegt werden, wenn  die Lendenwirbelsäule agiert.

Bilder unten :

Um sich das bewusst zu machen, hilft folgende Übung im Stehen oder auf dem Pferd: Man legt einen Finger auf den Hüfthöcker und kippt das Becken abwechselnd nach vorne und hinten.  Will man dabei im Oberkörper gerade bleiben, muss man die Lendenwirbelsäule bewegen. Bleibt man im Rücken steif, muss man den ganzen Oberkörper nach vorne oder hinten neigen, um das Becken entsprechend zu kippen. Auch die Beckenbewegungen für Gewichtsverlagerungen funktionieren nur über Muskelarbeit in der Lende.

Beim Pferd ist der Körperbau nicht anders.

Auch das Pferd kann sein Becken nur mit der Lendenwirbelsäule bewegen. Das bedeutet: Zur Gewichtsverlagerung in der Versammlung, die letztendlich die Kopf-Hals-Haltung bestimmt, muss das Pferd die Lende bewegen. Zum Untertreten der Hinterhand in der Versammlung muss das Pferd die Lende bewegen. Zur Körperbiegung zwecks Geraderichtung muss das Pferd die Lende bewegen.

Die Bewegung von Lende und Becken findet über verschiedene Muskeln statt. Im Rücken sorgen kleine Muskeln direkt an den Gelenken der Lendenwirbelsäule (LWS)  für die Streckung, im Körper sorgen tiefe Muskeln für die Beugung der LWS und schließlich sind auch die Bauchmuskeln erheblich an der Bewegung der LWS beteiligt.  

Der lange Rückenmuskel

Der lange Rückenmuskel (Longissimus dorsi), im Bild orange dargestellt, streckt sich über die gesamte Wirbelsäule. Wird er angespannt, steht der Mensch gerade und steif,  die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und damit des Beckens ist blockiert. 

Auch dieser Umstand ist bei Pferd und Mensch gleich. 

Um das Becken und die Lendenwirbelsäule bewegen zu können, muss der lange Rückenmuskel entspannen. Das ist nur möglich, wenn die kleinen, tiefen Muskeln im Körper kräftig genug sind, um für die nötige Stabilität bei guter Beweglichkeit zu sorgen. 

Aspekt aus dem Mentaltraining:

Wenn wir uns unsicher oder bedroht fühlen, spannen wir den langen Rückenmuskel instinktiv in Verteidigungsbereitschaft an. Dann ist gutes Reiten nicht mehr möglich.

Das gleiche gilt für das Pferd.  Fühlt es sich unsicher oder bedroht, oder verursacht der Reiter durch eine steife Körperhaltung ein unangenehmes bis schmerzhaftes Gefühl in der Sattellage, wird es den langen Rückenmuskel anspannen und damit die Bewegung von Becken und Lende massiv behindern.

Aspekt aus dem Tai Chi – Stabilität statt Steifheit

Die kleinen Bewegungsmuskeln rund um Becken und Lende müssen perfekt zusammen spielen können. Spannen die vorderen Muskeln an, müssen die hinteren entspannen und umgekehrt. Nur dann kann genügend Kraft und Stabilität erzeugt werden, um auch auf dem Pferd das eigene Becken so zu bewegen, dass der Reiter trotz Rückenbewegung des Pferdes Weichheit und Stabilität vereinen kann, ohne dabei steif zu werden.

Die verwendeten Bilder dieses Artikels stammen aus dem Buch Physio-Riding mit Sabine Bruns, Verlag Müller-Rüschlikon. 

NEU!!! ONLINEKURSE PHYSIO-RIDING®

Bisher gab es für die Ausbildung zum Physio-Riding Coach einen Theorieteil, der viele Jahre lang auf CDS und DVDS, später auf einer mobilen Festplatte, per Post an die Teilnehmer geschickt wurde und als Vorbereitung für die Praxisausbildung zum Physio-Riding Coach diente.

Ich freue mich sehr, dass wir ab dem Herbst endlich die Theorieinhalte verständlich für alle Reiter erweitert als ONLINEKURSE zur Verfügung stellen können. Die Kurse beinhalten Skripte und sehr viel Bild- und Videomaterial „ungeschminkt direkt aus der Praxis“.

Nach den bisherigen Planungen wird sich die gesamte Physio-Riding Theorie in vier Module aufteilen, die insgesamt in 40 – 50 Lektionen verpackt sind:

1. Anatomie und Massage
(Knochen, Muskeln, klassische Massage, Stresspunktmassage sowie einige
weitere Massagetechniken, incl. Erfahrungen aus der praktischen Anwendung)

2. Bewegungstherapie und Bodenarbeit
(Aktive und passive Bewegungsübungen, Mobilisation, Bodenarbeit,
Langzügelarbeit nach den Grundsätzen „Kommunikation statt Manipulation“)

3. Der Reiter
(Sitz und Einwirkung, Reiterfitness, Mentaltraining, viele Übungen zum direkt Nachmachen, Trainingsplanerstellung nach individuellen Anforderungen)

4. Reiten
(Die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd, Trainingsplanung,
Videoanalyse, Vorträge halten, Lehren lernen)

Die neuen Onlinekurse können auf allen gängigen Geräten (PC, Laptop,
Tablet, Handy) aufgerufen werden. Es gibt die Skripte als PDF mit
Bildermaterial zum ausdrucken und die gleichen Texte mit begleitenden
Videosequenzen als Onlinelektionen. Dazu stehen jede Menge Arbeitsblätter und Merkblätter zur Verfügung, dass jeder Teilnehmer nach Belieben ausdrucken und nutzen kann.

Nach wie vor ist der Begriff PHYSIO-RIDING® als Warenzeichen geschützt.

Wer nach oder parallel zum Onlinekurs die Praxis und praktische Prüfung bei einem unserer Praxisausbilder absolviert, erhält die Lizenz sich PHYSIO-RIDING® Coach zu nennen. Für die Lizenzen fallen KEINE jährlichen Lizenzgebühren mehr an.

Jedes Physio-Riding Modul kann bereits in diesem Herbst ab Fertigstellung gebucht werden. Der Preis pro Modul beträgt 120 Euro(incl. 19% MWST).

Grundlegende Orientierung über die Inhalte des Physio-Riding erhaltet Ihr auf www.physio-riding.de

Fragen bitte per Mail an schule@bruns-lukas.de

BITTE GERNE WEITERSAGEN! DANKE!

Sam wird berühmt

Vor einigen Wochen waren wichtige Leute auf unserer Wiese zu Gast, Fernsehleute, die sehen und filmen wollten, wie ein blindes Pferd mit seiner Behinderung klar kommt.

Es war ein sehr netter Besuch und Sam hat sich als obercooler professioneller Fernsehtyp gezeigt.

Der Beitrag wird am Montag, 11.03. während der Sendung DAS! beim NDR ausgestrahlt. Wir sind sehr gespannt, was daraus geworden ist.

Hier ist der link zum Beitrag in der Mediathek des NDR:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Apfelschimmel-Sam-Blinder-Boss-der-Herde,dasx17812.html?fbclid=IwAR0kGgOh9t6yqdtB33NwG3RABBqmkGK5Uj_zJpVy5eDPVvqri5jxzPBGxIU

Anti Angst / Anti Scheu ….

Bin ich mit meinem Pferd unterwegs, begegnen mir immer wieder unbekannte Gegenstände oder ich gerate in neue Situationen, in denen mein Pferd Angst bekommen kann. Um ein im Gelände zuverlässiges Pferd zu haben, werden mir deshalb Anti-Scheu-Workshops angeboten.

Wann ist ein solcher Workshop sinnvoll und wie muss er aufgebaut sein, damit er mir wirklich hilft?

Es nützt mir nichts, wenn mein Pferd in einem solchen Workshop mit unbekannten Gegenständen konfrontiert wird, diese dann in Ruhe beschnuppert und schließlich keine Angst mehr vor ihnen hat.

Warum nicht?

Weil ein Anti-Scheu-Workshop nur sinnvoll ist, wenn ich lerne, wie ich genau diese eine Minute manage, in der mir und meinem Pferd etwas Unbekanntes begegnet und mein Pferd Angst bekommt.

Haben wir im Anti-Scheu-Seminar einen roten Regenschirm in der Reithalle kennengelernt, heißt das nicht, dass mein Pferd vor einem roten, gelben oder bunten Regenschirm auf der Straße nicht scheuen wird. Im Gegenteil, die Situation ist eine völlig andere, das Pferd wird sie nicht mit dem roten Regenschirm des Seminares in Verbindung bringen.

Ein Anti-Scheu / Anti -Angst -Workshop des PHYSIO-RIDING enthält folgende Elemente:

1. Schritt: Analyse

Was passiert bisher, wenn mein Pferd scheut? Was geschieht in jeder Zehntel Sekunde der gefährlichen Situation? Was denkt mein Pferd und wie agiert oder reagiert es? Was denke ich, wie agiere oder reagiere ich?

2. Schritt: Planung

Wie sollte ich mich optimalerweise in jeder Zehntel-Sekunde einer gefährlichen Situation benehmen, um für  mein Pferd und mich Sicherheit zu gewährleisten?  Wie kann ich die Situation entschärfen, um uns nicht zu gefährden?  Ich muss das richtige Denken, die richtige Körpersprache, die richtigen Gesten und Worte  lernen, mit denen ich meinem Pferd Sicherheit vermittele.

3. Schritt: Umsetzung

Wie lerne ich, das richtige Verhalten  als Reflex in diesem Moment abzurufen?

Ich muss das Agieren in dieser einen wichtigen Sekunde mental und physisch trainieren, damit es jederzeit abrufbar ist.

Hiefür sind die Techniken des Mentaltrainings und einige Übungen aus der chinesischen Kampfkunst Tai Chi  bestens geeignet.

Das Trainingsmotto beim Physio-Riding Anti-Scheutraining ist:

Beschütze Dein Pferd, dann vertraut es dir, wenn es brenzlig wird. 

Körperdrehung und Gewichtsverlagerung auf dem Pferd

Mit meinem Körper kann ich dem Pferd wichtige Signale vermitteln. Hierbei müssen zwei Bewegungsrichtungen unterschieden werden.

Zum einen gibt es die Körperdrehung, mit der ich die nach vorwärts gewählte Bewegungsrichtung koordinieren kann (siehe Bild), zum anderen gibt es die Gewichtsverlagerung, mit der ich die Stellung in den Seitengängen (Gewichtsverlagerung nach rechts oder links) und unseren Versammlungsgrad / Schwung (Gewichtsverlagerung nach vorne oder hinten) beeinflusse.

Ein häufiger Fehler ist es, diese Bewegungsmuster nicht klar genug zu unterscheiden. Es wird ein Konstrukt auf dem Pferd ausgeführt, das aus etwas Drehung und etwas Gewichtsverlagerung besteht. Das sieht dann eigenartig aus und es entstehen Fehler, die auch der schlechteste Reitlehrer sieht (z.B. in der Hüfte einknicken, Absätze hochziehen, vom Pferd rutschen).

Ein weiterer häufiger Fehler: Der Reiter wird während der Körperdrehung oder Gewichtsverlagerung in der Lendenwirbelsäule steif und blockiert damit die Vorwärtsbewegung der Hinterhand. Das ist für das Pferd sehr unangenehm und es reagiert unwillig.

Beim Tai chi findet jede Bewegung ihren Ursprung in der Körpermitte. Weder bei einer Körperdrehung noch bei einer Gewichtsverlagerung von einem auf das andere Bein verliert der Körper “ seine Mitte“. Der Tai Chi Übende findet seine Stabilität ohne steif zu werden.

Die Kombination verschiedener Tai Chi – Bewegungsmuster ist deshalb optimale Gymnastik für Reiter. Der Reiter fühlt schon nach kurzer Zeit viel klarer, ob er auf dem Pferd mit sich selbst im Gleichgewicht ist. Die tiefen und oberflächlichen Muskeln im Bauch und Lendenbereich werden optimal für die für Haltearbeit trainiert, so dass der Reiter sein Gleichgewicht zuverlässig halten kann, ohne steif zu werden.

Außerdem ist er fähig, in jeder Situation den Bewegungen des Pferderückens geschmeidig zu folgen, was ihm in kritischen Situationen (z.B. Scheuen, Buckeln, Sprung) hilft, auf dem Pferd gelassen und freundlich zu bleiben.

In meinen Seminaren/ Workshops „Tai Chi & Mentaltraining für Reiter“ üben wir Bewegungsmuster, die der Reiter anschließend selbstständig ausführen und so seine Reiterei in kurzer Zeit deutlich verbessern kann.

Tierphysiotherapie & Reiten

Ich reite seit meinem 13. Lebensjahr und hatte immer den Traum,  die Perfektion in der Dressurreiterei zu finden. Ich wollte harmonisch und schön mit meinem Pferd eine Einheit bilden – aber es kam dann doch immer irgendwann der Tag, an dem mein Pferd sich wehrte und an dem der Lehrer verlangte: „Nun musst Du ihm aber mal Bescheid sagen….“ oder “ nun musst Du Dich aber mal durchsetzen…“

Bedeutete das, das es harmonisches Reiten MIT dem Pferd nicht geben konnte? War Dressurreiten nur möglich mit Zwang und Drill?

Im Jahre 1998 konnte man an einer privaten Schule in Deutschland erstmals eine Ausbildung zum Tierphysiotherapeuten machen. Ich meldete mich an und hoffte, auf diesem Wege Erkenntnisse über die wirklich harmonische Ausbildung des Pferdes zu finden.

Dieser Schritt war der Beginn  einer Lebensaufgabe.

Innerhalb von 20 Jahren habe ich im Rahmen meiner Arbeit als Dozentin für Tierphysiotherapie und meiner Praxistätigkeit als Tierphysiotherapeuten Erfahrungen  gesammelt und in mehreren Büchern veröffentlicht.

Eine meiner Hauptaufgaben  für die Gesundheit der Pferde ist es für mich, Reitern zu erklären, warum ihre Pferde gesundheitliche Probleme durch das Reiten bekommen und Möglichkeiten zu zeigen, mit denen eine moderne und gesunde Ausbildung funktioniert.

Hieraus entwickelte sich das Konzept PHYSIO-RIDING®.

PHYSIO-RIDING® ist die Symbiose aus Tierphysiotherapie und Reitlehre und damit eine tierphysiotherapeutisch begründetete Reitlehre.


Viele Reiter profitieren inzwischen von den Erkenntnissen des PHYSIO-RIDING® und seit 2006 können Reiter sich zum lizensierten PHYSIO-RIDING® Coach ausbilden lassen.


Bitte besuchen Sie www.physio-riding.de